
„Wir wollen unbedingt KI in unsere Produkte integrieren“, wünschen Kunden. Als Digital-Agentur antworten wir: „Moment mal.“
Sehr viele Unternehmen wünschen und fordern aktuell die Integration von KI in ihre digitalen Produkte und Services. Als Tech-Pioniere begeistert uns diese Ambition – durch unsere Design-Brille sehen wir das ganze positiv, aber etwas kritischer, denn Mehrwert entsteht unserer Meinung nach erst dort, wo Technologie und Design sich sinnvoll ergänzen.
Bei der Integration von KI-Produkten heißt das konkret: Technologie ermöglicht zwar den Einsatz von KI, Design aber entscheidet darüber, an welcher Stelle sie auf Nutzerbedürfnisse und Unternehmensziele einzahlt. Ohne das andere schafft keines von beidem Mehrwert – weder für Nutzer, noch für Unternehmen – und lässt KI zum Selbstzweck verkommen, was uns zur ersten wichtigen Erkenntnis aus dem Vortrag führt:

Auch bei der Integration von KI gilt: Ihr Einsatz muss eine Design-Entscheidung mit Mehrwert im Sinne von Nutzern und Unternehmen sein.
#1: Der Einsatz von künstlicher Intelligenz allein macht noch kein Produkt aus.
Die große Chance für den Einsatz von KI entsteht dort, wo wir Antworten auf die beiden zentralen Fragen finden, was genau KI zu einem Produkt beitragen kann und was es (auf Unternehmensseite) braucht, um sie sinnvoll einsetzen zu können. Schaffen wir es, grundfeste Antworten auf diese Fragen zu entwickeln, steht dem gewinnbringenden Einsatz von KI für Nutzer und Unternehmen die Türe offen. Und hier tritt auch direkt die zweite Erkenntnis zu Tage:

"Magic" kann bereits bei kleinen Anwendungen wie diesem Alt-Text-Generator entstehen. Quelle: Storyblok
#2: Mit kleinen, greifbaren Lösungen – z. B. Mini-AI-Assistants – starten und KI iterativ entwickeln.
Ambitionen sind Treiber für herausragende digitale Produkte. Unternehmen und Agenturen müssen aber sensibel bleiben und erkennen, wann eine zuträgliche Motivation in hinderlichen Übereifer umschlägt. Denn für sichtbaren Impact braucht es nicht die allumfassende Super-Intelligence. „Magic“ entsteht oft im Kleinen, im gut durchdachten und sinnvoll begrenzten Einsatz von KI, der das Leben oder die Arbeit von Nutzern an entscheidenden Stellen erleichtert. Positive Nebeneffekte: Der Rahmen, in dem KI agieren darf, bleibt überschaubar. Wir bestimmen, mit welchen Daten wir KI trainieren, bis sie unseren Ansprüchen gerecht wird. Letztlich bleibt auch die Output-Qualität von KI kontrollierbar. Letztere hängt unweigerlich mit dem vorangegangenen Input zusammen, was uns zum dritten Punkt bringt.

Bei der Interaktion mit KI bleiben die Grundlagen guter Dialoggestaltung weiterhin relevant.
#3: KI-Assistenten sind kein magisches Textfeld, sondern ein Dialog, den es zu gestalten gilt.
Mit Blick auf gängige Patterns für die Interaktion mit KI lässt sich beobachten, dass aktuell besonders Input-Felder, hier und da gepaart mit zusätzlichen Reglern, vorherrschen, während neue Patterns gerade erst entdeckt werden. Solange das so ist, bleibt: Design für KI ist aktuell im Grunde genommen „Next-Level-Dialoggestaltung“, bei der es ausschlaggebend ist, dass sich der Dialog mit KI ausreichend selbst erklärt.
Die Grundlagen guter Dialoggestaltung, die beispielsweise durch ISO 9241 definiert sind, behalten also trotz oder wegen KI ihre Relevanz. Der Mensch-KI-Dialog muss für Nutzer verlässlich gestaltet sein – Framing, Transparenz und Kontrolle sind hier zentrale Handlungsfelder guter Interaktionsgestaltung. Nutzern muss klar sein, wofür KI eingesetzt werden kann und welche Möglichkeiten der Interaktion es gibt. Ihnen muss stets klar sein, was KI tut und warum. Darüber hinaus müssen Nutzer jederzeit eingreifen oder das Steuer vollständig übernehmen können.
Aber wie können Designer in der Gestaltung mit KI Verantwortung übernehmen?

Um künstliche Intelligenz verantwortungsbewusst zu integrieren, sollten wir ihren Mehrwert iterativ und verständlich gestalten.
#4: Designer sollten KI entgegentreten wie jeder technologischen Neuerung – mit wachem Geist und methodisch fundiert.
Der Blick auf die enormen technologischen Entwicklungen der letzten zehn, zwanzig oder dreißig Jahre zeigt, dass sich Designer schon lange vor ChatGPT im Umgang mit neuen Technologien üben mussten, um sie im Sinne der Nutzer sinnvoll einzusetzen. Die Anpassung an neue Technologien und ihr aktives Erkunden waren schon immer Teil ihres Handwerks.
Gerade in Zeiten technologischen Umbruchs gewinnen die Grundlagen an Bedeutung, die Designer zu fundierten Entscheidungen befähigen. Gut ausgebildete Designer bringen das notwendige Handwerkszeug bereits mit, um Lösungen mit KI zu entwickeln und die digitale Zukunft mitzugestalten.
Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie aktiv mit KI arbeiten. Nur so können sie deren Funktionsweise, Potenziale und Grenzen wirklich verstehen. Erst dieses Verständnis versetzt sie in die Lage, den Status quo im Sinne echten Nutzens zu hinterfragen.
KI ist gekommen, um zu bleiben. Und mit ihr unsere Verantwortung: bei der Entwicklung und Integration von KI nicht staunend am Rand zu stehen, sondern aktiv zu werden, neue Wege auszuprobieren und unsere digitale Zukunft bewusst zu gestalten.
Genau das, was Designer – und wir bei 21TORR – schon immer getan haben. Nur jetzt mit KI.

Vielen Dank an unseren Design Lead UX Nele Zschiesche für den wertvollen Vortrag beim World Usability Day 2025.
We challenge the now to create the new.
Seit 1994 gestaltet 21TORR gemeinsam mit seinen Kunden digitale Produkte und Services an der Schnittstelle von Design und Technologie – mit messbarem Business-Impact und echtem Mehrwert für Marken und Menschen.
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