
Bereits früh am Abend zeigte sich: Die Besucher:innen kamen nicht für Small Talk, sondern für ernsthaften Austausch. Designer:innen, Product Thinkers und Tech-Professionals sprachen direkt über Herausforderungen aus Projekten, neue Arbeitsweisen und den Einfluss von KI auf das tägliche Designhandwerk. Die Atmosphäre war konstruktiv, offen und geprägt von der hohen Qualität der Fragen.
Der klare Themenschwerpunkt des Abends AI trifft UX. Wir konnten mit zwei Talks beitragen: einmal zu inklusivem Design mittels KI und einmal dazu, wie Lean UX uns in einer zunehmend KI-geprägten Produktwelt hilft, besser zu arbeiten. Am Ende liefen beide Perspektiven auf eine zentrale Frage hinaus:
Wie gestalten wir digitale Erlebnisse, die Menschen wirklich helfen – und für Unternehmen einen spürbaren Unterschied machen?




KI & Inclusive Design: Barrieren abbauen mit künstlicher Intelligenz
„Barrieren sieht man erst, wenn man selbst betroffen ist.“ Mit diesem Statement eröffnete Stefanie Braun, Senior UI Designer bei 21TORR, ihren Vortrag zu inklusivem Design mit KI. Sie zeigte, wie komplex die Abwägungen zwischen Einfachheit, Zugänglichkeit und technischer Machbarkeit im Alltag sind — und wo KI heute bereits konkrete Verbesserungen ermöglicht.
Ein Beispiel: Conversational Search. Für einige Nutzergruppen ist sie ein Komfort-Feature, für Menschen mit motorischen Einschränkungen jedoch ein wesentlicher Zugang zu digitalen Angeboten.
Entscheidend ist jedoch der strukturelle Wandel:
KI verändert nicht nur einzelne Funktionen, sondern das Modell, wie Interfaces künftig gebaut werden. Statt statischen Layouts entstehen dynamische Interfaces, die sich in Echtzeit an die Nutzer:innen anpassen.
Für Designer:innen bedeutet das:
Nicht ein finales Layout definieren, sondern Designräume. Regeln, Parameter und Logiken entscheiden, was variabel ist und was konstant bleibt.
Das Ziel: Systeme, die robust, zugänglich und flexibel bleiben – Produkte, die sich an ihre Nutzer:innen anpassen, nicht umgekehrt.



Lean UX in der AI-Welt: Warum schlanke Prozesse heute wichtiger sind denn je
Im zweiten Talk stellte Jan Schlag, UX Architect und Design Thinker bei 21TORR, eine Frage in den Mittelpunkt: Wie entwickeln wir Produkte, wenn KI Prozesse zwar beschleunigt, aber auch unvorhersehbarer macht?
Jans Diagnose: Klassische Produktentwicklung leidet oft unter Silos, langen Entscheidungswegen und zu viel Dokumentation. Mehr Planung löst diese Probleme nicht. Mehr Lernen schon. Lean UX versteht er nicht als Methoden-Toolkit, sondern als Haltung, bei der:
Zusammenarbeit operativ ist und nicht formal.
Annahmen sichtbar und getestet werden.
Dokumentation Entscheidungen dient und kein Selbstzweck ist.
Vertrauen als Voraussetzung für alles davon gilt.
Der Vorteil: Teams, die früher Prototypen entwickeln, testen und Stakeholder einbinden, reduzieren Risiken und schaffen schneller Klarheit.
Lean UX heißt nicht schneller liefern. Lean UX heißt schneller lernen — gemeinsam.
Vier UX-Methoden für hybride KI-Produkte und agile Teams
Hypothesis Canvas
Fokus auf Annahmen und Outcomes statt Features.
Rapid Prototyping Sessions
Gemeinsam visuell denken – egal ob auf Papier oder in Figma.
Stakeholder Reviews with Prototypes
Weniger Slides, mehr Produkt.
Shared User Test Reviews
Erkenntnisse teilen statt isoliert auswerten.


Stuttgarts UX-Community als starker Faktor
Was den Abend besonders gemacht hat, war die Qualität des Austauschs. Die Offenheit, Perspektiven miteinander zu verknüpfen und aktuelle Entwicklungen kritisch zu hinterfragen, zeigte erneut, wie aktiv und kompetent die UX-Community in Stuttgart ist.
Unser Dank gilt MuseCase und Ergosign für die kontinuierliche Arbeit hinter der UXnite – und allen Teilnehmer:innen für ihr Engagement. Wir freuen uns auf das nächste Event und darauf, die Diskussion weiterzuführen.





