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17.02.2026

Generative UI: Wie KI das User Experience Design grundlegend verändern wird

Abstrakter, dunkelblauer Farbverlauf mit weißem  Text "Gen.UI"

User Experience Design war schon immer ein Spiel aus Kompromissen. Unterschiedliche Nutzergruppen, widersprüchliche Bedürfnisse und begrenzte Ressourcen führen dazu, dass Interfaces meist für den „Durchschnittsnutzer“ optimiert werden. Wirklich allen gerecht zu werden, ist kaum möglich.

Doch genau dieses Grundproblem des UX-Designs könnte sich bald auflösen – durch Generative UI (GenUI). Mithilfe von generativer KI entsteht eine neue Art von Benutzeroberflächen: dynamisch, kontextuell und radikal personalisiert.

Von Kompromissen zu individuellen Erlebnissen

Klassisches UX-Design bedeutet, eine Oberfläche zu entwerfen, die für möglichst viele Nutzer:innen „gut genug“ funktioniert. Accessibility-Anforderungen, unterschiedliche Nutzungskontexte oder persönliche Präferenzen werden zwar berücksichtigt – aber immer innerhalb einer statischen Oberfläche.

Generative UI bricht mit diesem Prinzip. Statt einer einzigen Benutzeroberfläche gibt es unzählige Varianten, die in Echtzeit durch KI erzeugt werden. Inhalte, Layouts, Priorisierungen und sogar visuelle Stile passen sich automatisch an die jeweilige Person, ihre Situation und ihr Ziel an.

Das Ergebnis: Extreme Personalisierung, wie sie ohne generative KI bislang nicht realisierbar war.

Drei Grafiken verbunden mit Pfeilen: statisches UI-Design, Responsives UI-Design, Adaptives UI-Design und Generatives UI-Design.

UI-Design im Wandel: Von fixen Layouts über responsive und adaptive Oberflächen bis hin zu KI-generierten, in Echtzeit angepassten Interfaces.

Was Generative UI nicht ist: AI-assisted Design

Wichtig ist die Abgrenzung zu einem Trend, den viele Unternehmen bereits kennen: AI-assisted Design. Hier unterstützt KI Designer:innen bei bestehenden Prozessen – etwa durch schnelleres Erstellen von Wireframes, Texten oder Designvarianten.

Generative UI geht deutlich weiter. Die KI hilft nicht nur beim Entwurf, sondern übernimmt zur Laufzeit die Generierung der Benutzeroberfläche selbst. Das Interface, das Nutzer:innen sehen, existiert vorher nicht als festes Design – es entsteht im Moment der Nutzung

Ein Blick in die nahe Zukunft: Personalisierung in Echtzeit

Ein Beispiel verdeutlicht das Potenzial:

Eine Nutzerin öffnet eine Airline-App, um einen Flug zu buchen. Die KI kennt ihre Präferenzen, ihre Reisegewohnheiten und auch individuelle Bedürfnisse – etwa eine Sehschwäche oder Dyslexie. Schriftarten, Kontraste und Interaktionsmuster passen sich automatisch an.

Die App priorisiert Informationen, die für diese Person relevant sind: Preis und Reisedauer stehen im Fokus, unpassende Optionen werden ausgeblendet oder nach unten sortiert. Kontextuelle Hinweise – etwa zu Großveranstaltungen oder Wetterrisiken – erscheinen genau dann, wenn sie hilfreich sind.

Was hier entsteht, ist keine „smarte Oberfläche“, sondern ein maßgeschneidertes Nutzungserlebnis, das sich kontinuierlich anpasst.

Skalierbarkeit als Gamechanger

Einzelne personalisierte Funktionen lassen sich auch heute schon umsetzen. Der wahre Durchbruch von Generative UI liegt jedoch in der Skalierbarkeit. KI ermöglicht es, Millionen von Nutzer:innen gleichzeitig individuell zu bedienen – ohne exponentiell steigenden Design- und Entwicklungsaufwand.

Für globale Plattformen, digitale Services und komplexe Produktlandschaften eröffnet das völlig neue Möglichkeiten: Personalisierung wird zum Standard, nicht zur Ausnahme.

Grafische Gegenüberstellung statisches Standard-Interface für alle Nutzer, gegenüber mehrere individuelle Layouts für einzelne Nutzer

Gegenüberstellung UI-Design heute und Generatives UI-Design in Zukunft.

Was bedeutet das für UX, Design und digitale Strategie?

Mit Generative UI verändert sich nicht nur das Interface, sondern auch die Rolle von Designer:innen und Produktteams:

  • UX Design verschiebt sich von der Gestaltung einzelner Screens hin zur Definition von Regeln, Systemen und Leitplanken

  • Designsysteme werden zu dynamischen Frameworks, die KI-gesteuert interpretiert werden

  • Ethische Fragen, Transparenz und Kontrolle gewinnen massiv an Bedeutung

  • Accessibility wird nicht mehr „mitgedacht“, sondern automatisch integriert

Kurz gesagt: UX wird strategischer, technischer – und gleichzeitig menschlicher.

Wann wird Generative UI Realität?

Aktuell experimentieren viele Teams mit KI-generierten Inhalten und Designs. In den meisten Fällen handelt es sich jedoch noch um AI-assisted Design. Damit Generative UI im großen Stil Realität wird, müssen KI-Systeme stabiler, zuverlässiger und ressourcenschonender werden.

Die gute Nachricht: Es ist nicht zu früh, sich damit auseinanderzusetzen. Im Gegenteil. Unternehmen, die heute beginnen, über adaptive Interfaces, datengetriebene Personalisierung und KI-basierte UX-Konzepte nachzudenken, sichern sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Fazit: UX steht vor einem Paradigmenwechsel

Generative UI markiert einen Wendepunkt im digitalen Design. Weg von statischen Oberflächen, hin zu lebendigen, kontextsensitiven Interfaces, die sich an Menschen anpassen – nicht umgekehrt.

Für Digitalagenturen, Produktteams und Entscheider:innen stellt sich nicht mehr die Frage, ob Generative UI kommt, sondern wie gut man darauf vorbereitet ist.Generative UI: Wie KI das User Experience Design grundlegend verändern wird

User Experience Design war schon immer ein Spiel aus Kompromissen. Unterschiedliche Nutzergruppen, widersprüchliche Bedürfnisse und begrenzte Ressourcen führen dazu, dass Interfaces meist für den „Durchschnittsnutzer“ optimiert werden. Wirklich allen gerecht zu werden, ist kaum möglich.

Doch genau dieses Grundproblem des UX Designs könnte sich bald auflösen – durch Generative UI (GenUI). Mithilfe von generativer KI entsteht eine neue Art von Benutzeroberflächen: dynamisch, kontextuell und radikal personalisiert.

Die wahre Stärke von Generative UI zeigt sich nicht nur in der Flexibilität, sondern in der Fähigkeit, Millionen Nutzer gleichzeitig individuell zu bedienen.

Isabell Höffner
Isabell HöffnerChief Design Officer

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