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20.02.2026Chancen, Herausforderungen & Praxisempfehlungen

Der EU AI Act und seine Bedeutung für UX-Design

Eine Frau mit einem digitalen Code, der auf ihr Gesicht projiziert wird, vor einem farbenfrohen Hintergrund aus blauen und roten Datenmustern.

Künstliche Intelligenz (KI) transformiert digitale Produkte – und der EU AI Act gestaltet, wie diese Transformation in Europa sicher, transparent und nutzerzentriert verläuft. Für Unternehmen und insbesondere für UX-Designer:innen und Digitalagenturen birgt der Gesetzesentwurf sowohl Herausforderungen als auch enorme Chancen.

Was ist der EU AI Act?

Der EU AI Act ist ein umfassender Gesetzesentwurf der Europäischen Union zur Regulierung von KI-Systemen. Ziel ist es, einheitliche Standards zu schaffen, damit KI-Anwendungen in Europa sicher, transparent und vertrauenswürdig genutzt werden können. Der Gesetzesentwurf unterscheidet zwischen verschiedenen Risikoklassen und legt Vorgaben fest, wie KI-Systeme entwickelt, getestet und betrieben werden dürfen.

Für Produktteams bedeutet das: KI-Funktionalitäten dürfen nicht isoliert betrachtet werden – sie müssen in UX-Strategien und Produktprozesse eingebettet werden.

Warum ist der EU AI Act relevant für UX-Designer:innen?

UX-Design geht weit über ästhetische Gestaltung hinaus. Es umfasst das Verständnis, wie Nutzer:innen Systeme erleben und vertrauen. KI, die in Interfaces eingebettet wird, beeinflusst dieses Erleben fundamental – z. B. durch:

  • Automatisierte Empfehlungen

  • Personalisierte Inhalte

  • Interaktive Assistenzsysteme

  • Entscheidungshilfen in kritischen Kontexten

KI ist eine Blackbox – das kann UX-Probleme verursachen: Wenn Nutzer:innen nicht verstehen, wie ein System zu seiner Antwort kommt, sinkt das Vertrauen – und das kann negative Auswirkungen auf die Akzeptanz des Produkts haben.

Der EU AI Act fordert daher explizite Kennzeichnungen, transparente Information und Risikobewertung – genau dort beginnt UX.

Vier zentrale Handlungsfelder für UX durch den EU AI Act

Transparenz & Erklärbarkeit

Der Gesetzesentwurf verlangt, dass Nutzer:innen informiert werden, wenn sie mit KI-Systemen interagieren – und wie diese Entscheidungen treffen.
Für UX bedeutet das:

  • KI-Badge oder Hinweis im UI, wenn KI im Spiel ist.

  • Einfache, verständliche Erklärungen, wie Empfehlungen oder Ergebnisse zustande kommen.

  • Designs für „Erklärbare KI“ – z. B. interaktive Layer, die nachvollziehbare Hintergründe geben.

Beispiel: Wenn ein Bewertungstool automatisch Texte priorisiert, könnte ein eingeblendeter Hinweis lauten:
„Diese Priorisierung basiert auf KI-Algorithmen. Erfahre, wie das funktioniert“ – mit einem klickbaren Overlay.

Risikobasierte UX-Strategien

Der AI Act unterscheidet zwischen minimalem, geringem, hohem und verbotenem bzw. inakzeptablem Risiko.
Für UX-Teams heißt das:

  • Risikoanalyse im UX-Prozess integrieren, bevor Funktionen konzipiert werden.

  • User Flows anpassen, je nachdem, wie kritisch Entscheidungen durch KI sind.

  • Sicherheits- und Kontrollpunkte einbauen, vor allem bei sensiblen Anwendungen (z. B. Gesundheits- oder Finanzdaten).

🔍 Beispiel: UX muss ausführliche Erklärungen, Fehlerbehandlung und menschliche Eskalationskanäle integrieren.

Datenschutz & Consent UX

Transparenz allein reicht nicht – Nutzer:innen müssen aktiv einwilligen, wie ihre Daten genutzt werden.

Damit UX-Designs rechtskonform sind, müssen sie:

  • Datennutzung klar kommunizieren

  • Echte Auswahlmöglichkeiten bieten (keine vorausgewählten Häkchen)

  • Kontroll- und Widerrufsoptionen einfach zugänglich machen

📌 Tipp: Consent Dialoge für KI-Funktionen sollten granular und kontextbezogen sein – nicht „Alles oder Nichts“.

Vertrauen aufbauen – durch UX-Gestaltung

Vertrauen ist der Schlüssel zur Akzeptanz von KI-Funktionen. UX spielt hier eine entscheidende Rolle, um:

  • Unsicherheiten abzubauen

  • Erwartungen zu lenken

  • Fehler menschlich verständlich zu kommunizieren

Gutes UX stellt sicher, dass Nutzer:innen:

✅ wissen, wann KI agiert
✅ verstehen, was passiert
✅ Kontrolle behalten

Fazit zum EU AI Act

UX & EU AI Act = Nutzerzentrierte KI als Standard

Der EU AI Act wird die digitale Produktlandschaft Europas nachhaltig verändern. UX-Design ist kein Add-On, sondern ein integraler Bestandteil der KI-Compliance. Für Agenturen wie 21TORR heißt das:

KI ist nicht nur Technologie – sie ist Erfahrung.

Wer KI-UX frühzeitig gut gestaltet, schafft nicht nur rechtlich konforme, sondern auch vertrauenswürdige und erfolgreiche digitale Produkte.

Das Gesetz zwingt dazu, KI-Interaktionen stärker zu durchdenken – das fördert Kreativität und bessere Lösungen.

UX Architect Lara Bräuning von 21TORR
Lara BräuningUX Architect

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